Frei wäre ich ja gern. Nur nicht heute.
Wir haben gute Gründe, warum wir noch nicht frei sind. Vielleicht sind es manchmal auch nur Ausreden.
Freiheit ist das, wonach die meisten von uns streben. Mehr Zeit, weniger Müssen, das Gefühl, dass das eigene Leben wieder einem selbst gehört. Fragt man die Leute, will fast jeder dahin. Nur jetzt gerade passt es eben nicht.
Ich kenne meine eigenen Sätze ziemlich gut. Erst muss genug Geld da sein. Erst müssen die Kinder größer sein. Das Haus ist doch gerade erst gebaut. Später, wenn es ruhiger wird, wenn es sicherer ist, wenn der richtige Moment kommt.
Und das Verrückte ist, dass das alles stimmt. Es sind keine faulen Ausreden, die man sich schnell zurechtlegt. Es sind echte Gründe. Wichtige sogar.
Vielleicht sind es triftige Gründe. Und trotzdem die Ausreden, warum ich noch nicht frei bin.
Beides ist wahr
Lange dachte ich, ich müsste mich entscheiden. Entweder es ist ein guter Grund oder es ist eine Ausrede. Inzwischen glaube ich, es ist oft beides gleichzeitig. Der Grund ist echt, und er erledigt trotzdem die Arbeit einer Ausrede. Er sorgt dafür, dass ich heute nichts ändern muss.
Das Unangenehme daran ist, dass sich ein guter Grund nie wie Aufschieben anfühlt. Er fühlt sich vernünftig an. Verantwortungsvoll. Genau deshalb hält er auch so lange.
Was ich daraus mitnehme
Ich will meine Gründe nicht kleinreden. Manche sind wirklich wichtig, und manche Entscheidungen darf man verschieben. Aber ich versuche, ehrlicher hinzuschauen. Bei welchem Satz schütze ich gerade etwas Wichtiges, und bei welchem schütze ich nur mich selbst davor, anzufangen.
Eine Antwort für alle habe ich nicht. Ich merke nur, dass der richtige Moment selten von allein kommt. Wahrscheinlich gibt es ihn gar nicht, sondern nur die Entscheidung, irgendwann trotzdem anzufangen.